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Marktüberblick Betriebshaftpflicht- versicherung

Avatar of _cli_crawler _cli_crawler | 28. September 2023 | Recht

 

Die Auswahl der passenden Betriebshaftpflicht stellt auch für erfahrene Versicherungsmakler eine Herausforderung dar. Die unterschiedlichen Bedingungen und Tarife der Versicherer führen zu einem Dschungel an Deckungen und Ausschlüssen, der nur schwer zu durchschauen ist. Dieser Artikel – auf Basis eines Marktvergleichs von zehn aktuellen Produkten – soll helfen, einen Überblick über die Möglichkeiten am Markt zu bekommen.

Unterschiede in den AHVB

Die ersten großen Unterschiede offenbaren sich bereits in den AHVB. Zwar orientieren sich die Versicherer an den Musterbedingungen des VVO, aber alle Hausbedingungen haben abweichende Details – nur selten zum Vorteil des VN.

Artikel 1-5 sind noch größtenteils mit dem VVO ident. Erweiterungen beim örtlichen Geltungsbereich gibt es bei Zürich, Generali und Uniqa, während andere Anbieter diese ausschließlich über tarifliche Klauseln regeln.

Bei der Umweltstörung offenbaren sich große Unterschiede beim Selbstbehalt (von fix 500 € bis zu 10 % ohne Deckelung ist die Bandbreite riesig). Teils gibt es Verbesserungen zum VVO, wie zB die Mitversicherung von kurzfristigen Zwischenlagerungen gefährlicher Abfälle oder von Ölabscheidern (relevant zB für Kfz-Betriebe).

Spannend wird es spätestens bei Artikel 7, den Ausschlüssen. Während sich Wiener Städtische und Donau noch relativ eng an den VVO halten, hat beispielsweise die VAV zehn zusätzliche Ausschlüsse, die insbesondere für das Baugewerbe problematisch sind (zB Ausschluss für Schlagen von Spundwänden, Schimmelpilzbefall oder die verschuldensunabhängige Schadensteilung gem. ÖNORM B2110).

Auch die Helvetia bietet ein paar „Schmankerl“, wie z.B. eine Erweiterung des Kfz-Ausschlusses auch für Privatgrundstücke, sofern das Kfz auf öffentlichen Straßen ein Kennzeichen tragen müsste.

Erwähnt werden muss auch die Zürich, da sie neben den Ausschlüssen in den AHVB auch noch weitere in der obligaten Klausel H 027-0 hat (zB Tabak, HIV, Laserbehandlungen).

Unterschiede in den EHVB

Auch bei den EHVB gibt es zahlreiche Unterschiede. Im Bereich der erweiterten Produktehaftpflicht positiv hervorzuheben ist die Generali, die einige Verbesserungen bietet (zB keine Einschränkung der Zurüstungskosten auf direkte Abnehmer).

Im Abschnitt B, den betriebsspezifischen Risken, gibt es ebenfalls teils große Unterschiede, auf die hier einzugehen jedoch den Rahmen sprengen würde.
 

Tarifliche Erweiterungen

Besonders groß sind die Unterschiede bei den tariflichen Deckungserweiterungen. Die meisten davon beziehen sich auf Ausschlüsse aus Artikel 7 und heben diese mehr oder weniger wieder auf. Alleine die Überschriften zu vergleichen, reicht jedoch nicht.
So deckt die Klausel „Tätigkeitsschäden an beweglichen Sachen“ bei der VAV lediglich den Transport von Sachen ab, während die meisten Anbieter hier eine umfassende Deckung auch für Bearbeitungsschäden bieten – oder zumindest zwei verschiedene Klauseln. Die Benennung ist teils verwirrend. So ist die „erweiterte Deckung“ aus dem VORIBAU-Tarif der Uniqa ident mit der Standardklausel aus dem Premium-Tarif – hier noch den Überblick zu behalten, ist fast unmöglich.

Die in der Praxis wichtigsten und größten Unterschiede gibt es meines Erachtens bei folgenden Klauseln:

■    Reine Vermögensschäden: Manche Versicherer schließen bei der Behinderungsklausel Geschädigte aus, die in einem Vertragsverhältnis zum VN stehen – das wären dann auch alle Kunden des VN. Bei der erweiterten Deckung gibt es eine ganze Liste von Ausschlüssen, die den Versicherungsschutz oft komplett aushöhlen.
■    Vertragshaftungen: Während die meisten Anbieter nur genormte Verträge (Bund, Länder, ÖBB etc.) anbieten, gibt es zB bei Donau und Generali die Möglichkeit, auch sonstige Verträge (mit niedrigen Sublimits) einzubeziehen.
■    Nachbesserungsbegleitschäden: Drei Unterschiede sind besonders wichtig: Gilt die Deckung nur für Zerstörung, oder auch reine De- und Remontage? Sind Schäden an eigenen, mangelfreien Sachen mitversichert (z.B. für das Abschlagen von selbst angebrachten Fliesen, um das dahinterliegende Rohr zu tauschen)? Besteht Deckung für Suchkosten, sofern ein Mangel festgestellt, aber noch nicht lokalisiert wurde?

Empfehlung und ÖVM-Klauselpakete

Wer sind nun die besten Betriebshaftpflichtversicherer? Pauschal lässt sich das leider nicht beantworten, da jedes Produkt seine Tücken und Lücken hat, und Prämienunterschiede von 200-300 % sind keine Seltenheit. Letzten Endes entscheidet sehr oft der persönliche Draht zum Underwriter, wo das beste Gesamtpaket für den Kunden geschnürt werden kann.

Einen sehr guten Deckungsumfang bietet die Donau mit dem All-In-Paket, welches jedoch erst ab 5.000 € Jahresprämie eingeschlossen werden kann. Bei dieser kann auch das sehr umfangreiche ÖVM-Klauselpaket mit eingeschlossen werden, welches den ohnehin schon sehr guten Deckungsumfang nochmal deutlich verbessert. Ein Schnäppchen ist die Donau zwar aus meiner Erfahrung nicht, aber gerade für risikogeneigte Branchen wie das Baugewerbe lässt sich der Aufpreis gut argumentieren.

Gleiches gilt für die Generali, deren Tarif zumindest in der Premium-Variante auch zu den besseren am Markt gehört. Auch hier bietet das ÖVM-Klauselpaket zahlreiche Deckungserweiterungen, mit denen man das Produkt ruhigen Gewissens empfehlen kann.

Zugang zur Betriebshaftpflicht-Datenbank

Die Ergebnisse des Marktvergleichs habe ich zu einer Betriebshaftpflicht-Datenbank verarbeitet. Diese umfasst derzeit 10 Versicherer und gewährt einen umfangreichen Überblick über die Möglichkeiten am österreichischen Versicherungsmarkt.

■    Beim AHVB-Vergleich werden die Hausbedingungen jedes Anbieters mit dem VVO Muster gegenübergestellt und alle Vor- oder Nachteile herausgehoben.
■    Beim Klauselvergleich werden die wichtigsten Deckungserweiterungen wie Tätigkeitsschäden, Nachbesserungsbegleitschäden und Co der Versicherer gegenübergestellt. Dadurch kann bei der Kundenberatung in Sekundenschnelle demonstriert werden, wieso sich der Aufpreis bestimmter Anbieter durchaus lohnt.
■    Von den 10 Anbietern finden sich die aktuellen Tarife inkl. genauem Aufbau und aller Klauseln im Volltext auf der Seite.

Unter www.ahvb.at kann ein Zugang zur Datenbank erworben werden. ÖVM-Mitglieder erhalten 10 % Rabatt.