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ÖVM-Forum 2018 im Zeichen des Umbruchs

ÖVM | 25. Juni 2018 | Intern

ÖVM-Forum 2018 im Zeichen des Umbruchs

„Get connected“ war das Motto, und das gleich im mehrfachen Sinn:

Die guten Kontakte zu pflegen und auszubauen, neue Kooperationen zu schließen und die Chancen der
Digitalisierung zu nützen. Über 2000 Versicherungsprofis und knapp 70 Aussteller haben das Angebot des 11. ÖVM-Forum 2018 genutzt.

Schon die Eröffnung im Linzer Design Center am 11. April war nahezu ausgebucht. ÖVM-Präsident Alexander Punzl konnte dann auch zufrieden feststellen, dass trotz aller regulatorischen und administrativen Zwänge der Kuchen für jeden einzelnen Versicherungsvermittler größer wird. Noch nie war es so einfach, neue Kunden anzusprechen und zu gewinnen. Die digitalen Vertriebswege und vielfältigen neuen Online Tools und Multichannel-Optionen machten es möglich, dass jeder Makler weit über seinen persönlichen Umkreis hinaus akquirieren kann.

Aber nicht nur das: Der Mangel an Nachwuchs und die Nachfolgeproblematik generell werden in den nächsten Jahren dazu führen, dass ganze Kundenbestände bzw. Bereiche frei würden. Auch wenn die Digitalisierung und der Online-Vertrieb den Wettbewerb erhöhen, bleibe doch eine Konstante: Eine gute Kundenbeziehung sei immer auch eine Frage des Vertrauens. Und diese Online-“Lücke“ kann nur mit kompetenter persönlicher Beratung geschlossen werden, sicherlich nicht mit Apps und Tools, Computern oder maschinen-gestützten Verkaufshilfen.

Punzl sagte, die Entwicklung des Berufsstandes sei voraussehbar. Die Zukunft der Versicherungsmakler werde zwar zusehends digital, doch davor müsse niemand Angst haben. Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Der Österreichische Versicherungsmaklerring (ÖVM) werde alles tun, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die digitalen Windräder gut geschmiert und reibungslos laufen können.

Eröffnung mit Humor and Fachwissen

Das ÖVM-Forum überzeugte die begeisterten Besucher/innen auch in diesem Jahr wieder mit Humor, Fachkompetenz und inhaltlicher Vielfalt. Universitätsprofessor Andreas Riedler lieferte so etwa zehn Beispiele aus der jüngsten OGH-Rechtssprechung, die schon aufgrund ihrer unübersehbaren Widersprüchlichkeiten für Diskussionen sorgten. Danach zeigte Humorexpertin Eva Ullmann, wie man in der Kommunikation, im Vertrieb oder im Schadensfall einen verfahrenen Karren wieder flott machen kann. ORF-Mann Hanno Settele und Science Buster Werner Gruber nahmen vor allem die „Vision“ Digitalisierung aufs Korn.

Der auf Versicherungsfälle spezialisierte Grazer Rechtsanwalt Walter Niederbichler schilderte anhand zahlreicher Gerichtsbeispiele die Fallstricke für Makler und Agenten und appellierte an die anwesenden Versicherungsberater, mehr Respekt vor ihrer eigenen Verantwortung, den Kunden und ihrer Tätigkeit aufzubauen. „Wenn Sie ihre Hausaufgaben machen, brauchen Sie keine Sorge vor der Maklerhaftung haben“, erklärte Niederbichler, und zählte dazu Aufklärungspflichten, Protokollierung von Beratungsgesprächen sowie umgehende Meldepflicht im Schadensfall.

Wo ist das Protokoll?

In der Kundenberatung kommt zum Best-Advice- und Best-Practise-Prinzip nun auch das Best-Interest-Prinzip hinzu. Mehr denn je wichtig sei es, im Kundeninteresse zu agieren, sich aber gleichzeitig gegen jeden möglichen Vorwurf im Schadensfall abzusichern. Vor Gericht zählt letztlich nicht die Wahrheit, sondern die Beweislage, so der Rechtsanwalt. Im Gerichtsfall muss der Makler nachweisen und belegen können, dass er den Kunden ausreichend beraten und auf alle möglichen Risiken hingewiesen hat. Denn wenn die Versicherung nicht zahlt, hält sich der Kunde oft gerne am Makler schadlos. Und der Haftungsprozess kommt oft Jahre später, warnte Niederbichler mit der wichtigsten Frage: „Wo ist das Protokoll?“

15 Stunden Weiterbildung reichen nicht

Auch die neuen Aus- und Weiterbildungspflichten für Makler nahm Niederbichler unter die Lupe. In der IDD-Richtlinie geht es um „alles, was mit der Versicherungsvermittlungstätigkeit zusammenhängt“, warnte er. So hätten Makler künftig auch eine nachträgliche Aufklärungspflicht. Ist der Vertragsabschluss im Kasten, beginnen erst mal die Pflichten. Der Makler muss seinen Kunden während der gesamten Versicherungsdauer begleiten und beraten. „Ob 15 Stunden Aus- und Weiterbildung pro Jahr für diesen Job reichen werden, da bin ich mir nicht sicher“, so der Anwalt mit Blick auf vielfache Befürchtungen vor noch mehr Bürokratie.

Makler in einer Liga mit Anwälten und Steuerberatern

Niederbichler zeigte sich überzeugt, dass sich der Versicherungsmakler immer mehr zum „Expertenberuf“ weiterentwickeln wird: auf einer Ebene mit Anwälten, Notaren und Steuerberatern. Makler seien schließlich als Sachverständige tätig - mit der zentralen Aufgabe, dem Kunden bestmöglichen Versicherungsschutz zu liefern. Insbesondere in Haftungsfragen sei der Makler durchaus mit den anderen Freiberufen vergleichbar.

Mehr Aus- und Weiterbildung

Einen Ausblick auf die künftigen Aus- und Weiterbildungsangebote gab der Chef der Österreichischen Versicherungsakademie (ÖVA), Gerhard Veits, in seinem Beitrag. Die Quantität der Inhalte und Angebote werde sich – bei gleichbleibend hoher Qualität – erheblich vergrößern, kündigte Veits an. Ebenso wird der bereits eingeschlagene Weg der Wissensvermittlung über Webinare und Blended Learning konsequent fortgesetzt und verbreitert. Erweiterungen sollen stets zeitnah zum Inkrafttreten neuer Gesetze, Vorschriften und Normen umgesetzt werden.

Veits stellte klar, dass sich Maklerbüros dem technischen Fortschritt nicht verschließen können. An der fortschreitenden Digitalisierung komme niemand vorbei. Sie habe die Versicherungsbranche voll erfasst, wird weiter forciert und die Zukunft wesentlich beeinflussen. Diese Entwicklung könne man gut oder schlecht finden, Grundlage seien digitales Know-how und Wissensbildung. Doch schränkte Veits ein, gerade in Bereichen wie Risikoanalyse und Beratung werde die Digitalisierung an ihre Grenzen stoßen. Auch nach 35 Jahren Maklerdasein bleibe er optimistisch, dass es die individuelle Maklerexpertise auch in Zukunft braucht.

Assekuranz Award als Höhepunkt

Die schon traditionelle Galaveranstaltung zur Verleihung des Assekuranz Award Austria (AAA), Österreichs wichtigster Auszeichnung für die Performance von Versicherungen aus Sicht der Versicherungsmakler, geriet zum absoluten Highlight des Forums. Den überaus gelungenen Abend im gesteckt vollen Zeremoniensaal des Linzer Design Centers moderierten Sport-Kabarettist Alex Kristan und ÖVM-Vorstand Alexander Gimborn. Gleich viermal schaffte es die Generali auf das Siegerpodest, dreimal die HDI. Im Rahmen der Preisverleihung betonte ÖVM-Präsident Alexander Punzl die Kontinuität und Nachhaltigkeit des Preises. Es zeige sich, dass die leistungsstarken Versicherer immer besser werden.

Die Auszeichnungen waren das Ergebnis einer umfangreichen Befragung der heimischen Versicherungsmakler durch das Marktforschungsunternehmen wissma unter der Federführung von Katja Meier-Pesti. 2018 nahmen über 500 Makler teil, bewertet wurden unter anderem Produktqualität, Maklerservice, Flexibilität, Polizzierung und Prämienhöhen. Anhand von rund 20 Leistungsbereichen beurteilten die Makler insgesamt 40 Versicherungsunternehmen in sieben Sparten. In diesem Jahr waren es Berufsunfähigkeit, Krankenversicherung, Ableben (Risiko), Leben fondsgebunden, Unfall, Haushalt/Eigenheim und Rechtsschutz privat.

Messetag mit vielen neuen Highlights

Den zweiten Tag des ÖVM-Forums dominierten zahlreiche Aussteller und Firmenpräsentationen sowie Fachvorträge wie u.a. von Nachfolge-Experte Wolfgang Willim von Sewico, der die „Follow-me“-Initiative des ÖVM mitbetreut, Crowdinvesting-Profi Martin Watzka oder von den Datenservice-und Datenbank-Spezialisten Manfred Klaber, Jens Bühring (VVO) und Ewald Maitz. Auch die oberösterreichische Politik nahm von dem so wichtigen Branchentag Notiz. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger ließ es sich nicht nehmen, am Donnerstag den Vorstandsbrunch am ÖVM-Stand zu besuchen.


Viel Aufmerksamkeit erhielten auch die Konzeptmakler, denen erstmals ein Informationsschwerpunkt gewidmet wurde. Laut Branchenkennern boomen Nischenversicherungen. Die größte Nachfrage verzeichnen derzeit Datenschutz- und technische Versicherungen sowie spezielle Haftpflichtkonzepte. Der große Vorteil von solchen Spezialkonzepten ist, dass der Makler nicht alles neu erfinden muss, wenn er spezifische Anfragen erhält. In Österreich gibt es derzeit etwa zwanzig relevante Konzeptmakler, die ihren Kunden und Branchenkollegen neben den Standardversicherungen Produkte für besondere Risikogebiete anbieten.

Bildung als Hauptgewinn

Auch wenn die Gewinner der großen ÖVM-Tombola, Städtetrips VIP Tickets und Wellnessgutscheinen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht bekannt gegeben werden dürfen, so war der Besuch des ÖVM-Forums 2018 jedenfalls ein Hauptgewinn. „Die Zukunft des Versicherungsvertriebs“ – so die Aufgabenstellung – konnte ganz klar als Aus- und Weiterbildungsaufgabe aufgezeigt werden. Ganz so wie es ÖVM-Präsident Punzl am Messetag auf den Punkt brachte: „Bildung ist schließlich das, was übrigbleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben.“