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Health & Safety – ein Gesundheitscheck für Unternehmen

Riskexperts | 04. Oktober 2021 | Wirtschaft & Steuern

Wir alle kennen die landläufige Aussage: „Mir kann so etwas nicht passieren“ oder „Wir tun eh alles, was uns gesetzlich vorgeschrieben wird“. Wenn jedoch ein Vorfall eintritt, mit dem man nicht gerechnet hat, fehlen dann die Argumente – es zählen Fakten und zuvor getroffene Maßnahmen. Entscheidungsträger finden sich dann in einer Situation wieder, in der sie eigentlich nicht sein wollten.
Jeder einzelne Arbeitsunfall kostet einem Betrieb in Österreich durchschnittlich 2.300,- Euro (Quelle AUVA). Das ergibt hochgerechnet einen Betrag von etwa 255 Millionen Euro, den Betriebe jährlich zu tragen haben. Aber auch der Volkswirtschaft entsteht durch Arbeitsunfälle ein enormer jährlicher Schaden.

Ein an ein Unternehmen angepasstes Arbeitsschutzprogramm rettet Menschenleben, schützt vor ungewollten Haftungsszenarien und hohen Strafen.
Die Durchführung einer effizienten Risikoeinschätzung von Industrie- & Gewerbebetrieben ist eine Herausforderung für Makler und Versicherer. Vertreter von Makler- und Versicherungsunternehmen stoßen bei Geschäftspartnern auf unterschiedliche organisatorische und kulturelle Reifegrade, welche eine Durchführung der Risikoeinschätzung zu einem komplexen Vorgang werden lassen kann.

Vom gesetzlichen Arbeitsschutz zum Risikomanagementsystem
In diesem Artikel werden wir folgenden Fragestellungen nachgehen:
■ Wie lässt sich eine erste Risikoeinschätzung kosteneffizient und einfach durchführen?
■ Wie kann die Betrachtung des gesetzlichen Arbeitsschutzes dazu beitragen?
■ Warum investieren Firmen in nicht gesetzlich vorgeschriebene Arbeitsschutzorganisation und Arbeitsschutzprogramme?
■ Was hat es mit H&S, OHSE, HSE, HSSE auf sich, und wie sind diese Programme im Risikomanagement einzuordnen?

Der gesetzliche Arbeitsschutz
Der gesetzliche Arbeitsschutz in Europa ist ähnlich geregelt und so gestaltet, dass auch Organisationen mit geringeren Reifegraden die Voraussetzungen erfüllen können. Gesetzgeber fordern von Unternehmen, vorhandene Risiken zu dokumentieren und zumindest Minderungsmaßnahmen zu ergreifen.
Die dabei angewandten Prinzipien folgen meist den international anerkannten Methoden des Risikomanagements.

Gesetzlicher Arbeitsschutz ist oft nicht ausreichend
Die Betrachtung der Durchführung des gesetzlichen Arbeitsschutzes lässt zudem tiefe Einblicke in die Betriebsführung zu. Diese prägt die Kultur, das Bewusstsein und ist somit ausschlaggebend, ob operative Risiken schlagend werden oder nicht. In der Praxis überschneiden sich beim gesetzlichen Arbeitsschutz immer mehrere Themen wie Umweltschutz, Brandschutz, Betriebsgenehmigungen, Notfallkonzepte, etc. Daher ist das Thema Health & Safety oft komplex, schwer durchschaubar und es bedarf einer ganzheitlichen Herangehensweise, um das Zusammenspiel und die Abhängigkeit der einzelnen Disziplinen zu verstehen.
Eine Frage bleibt jedoch unbeantwortet: „Reicht die Erfüllung gesetzlicher Pflichten aus, um das operative Risiko adäquat zu verwalten?“
Die Antwort darauf ist, dass man nie zu viel für die betriebliche Sicherheit machen kann. Gezielt getroffene Präventivmaßnahmen können die Auswirkung von Vorfällen jedoch oft gut abfedern.

Internationale Arbeitsschutzprogramme
Noch bis vor kurzer Zeit war es in Kontinentaleuropa  ausreichend, die geltenden gesetzlichen Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz einzuhalten, um Haftungsfragen zu vermeiden.
Heutzutage spielt die Einhaltung internationaler Standards eine immer wichtigere Rolle. Eine Frage, die nach einem Vorfall von unterschiedlichen Interessensparteien immer vehementer gestellt wird, ist: „Was wurde getan, um diesen Vorfall zu verhindern.“
Gerade diese Frage zeigt, dass die Geschäfts- und Betriebsführung heute komplexer denn je ist, vor allem im Sinne von Haftungs- und Obligationsfragen. Die einfache mediale Aufmerksamkeit, welche als Katalysator im Schadensfall wirken kann, vereinfacht die Situation ebenso nicht.

Genauso tragen wachsende Organisationen, länderübergreifende Produktionsstandorte und Veränderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen zur Komplexität in der Betriebsführung bei. In den klassischen Hochrisiko-Industrien der Chemie-, Gas- und Erdölbranche hat man rasch erkannt, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb sicherzustellen. Das Ergebnis waren Programme zur Verbesserung der betrieblichen Sicherheit, sowie des betrieblichen Risikos und diese wurden ein integraler Bestandteil eines operativen Risikomanagements.

Klassische Bezeichnungen für solche Programme sind:
H&S, HSE, HSSE (Health- Safety- Security-Environment)
Dabei stehen die einzelnen Bezeichnungen für folgende Teilbereiche des Programms:
Health – Vollumfänglicher Gesundheitsschutz des Arbeitnehmers und Schutz vor arbeitsbedingten Krankheiten.
Safety – Schutz der Arbeitnehmer, Vertreter von Fremdfirmen und Schutz von Vermögenswerten vor betrieblichen Gefahren.
Security – Sicherheit im Kontext der Kriminalität; Schutz des Betriebes und der Beteiligten vor inneren und äußeren Gefahren.
Environment
– Schutz der Umwelt und der umliegenden örtlichen Gemeinschaft und Gesellschaft vor Gefahren, die von einem Betrieb ausgehen (können).

Zertifizierung nach ISO45001
Die Implementierung eines operativen Risikomanagements ist nicht nur ein guter Ansatz zur Herstellung eines gesetzeskonformen und sicheren Betriebs. Es dient auch als Nachweis für das Bestreben, als sicherer und zuverlässiger Betrieb/ Geschäfts- und Kooperationspartner zu gelten.
Diese Anstrengungen lassen sich mit einer Zertifizierung nach ISO45001 auch nach außen hin präsentieren. Für einen Versicherer bedeutet dies eine Reduktion des Risikos hinsichtlich der Haftpflicht-, Sachschaden- und Obligationsthemen.
Darüber hinaus haben Organisationen, welche über ein operatives Risikomanagementsystem verfügen, einen guten Überblick auf aktuelle betriebliche Risiken. Im Zusammenwirken mit Maklern oder Inhouse Brokern lässt sich in weiterer Folge ein möglicher Risikotransfer effizient gestalten.
Die in Kontinentaleuropa und vor allem in Mitteleuropäischen Ländern geläufige Übersetzung „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ und „Arbeitssicherheit“ beschreibt nur unzureichend die Bedeutung und Möglichkeiten solcher Programme.

Zusammenfassung
Die Betrachtung der Umsetzung des gesetzlichen Arbeitsschutzes gibt einen ersten Hinweis auf den kulturellen und organisatorischen Reifegrad und die Art der Betriebsführung einer Organisation. Dies kann eine erste Einschätzung des Risikos kosteneffizient unterstützen.
Ein HSSE Managementsystem ist ein integraler Bestandteil des operativen Risikomanagements:
■ Es unterstützt die Geschäftsleitung und ihre Bemühungen, einen sicheren und zuverlässigen Betrieb sicherzustellen und zu dokumentieren.
■ Es ist ein international anerkanntes Verfahren zur Bewältigung von operativen Risiken – zertifizierbar nach ISO 45001.
■ Es ist ein Kernelement im Risikodialog mit unterschiedlichen Interessensparteien (Firmeneigner, Banken, Versicherer, Lieferanten, Kunden, Anrainer, etc.).
■ Es liefert einen wertvollen Beitrag zur Einschätzung des operativen Risikos und trägt zum effizienten Risikotransfer bei.
Rasch wachsende Organisationen und Unternehmungen stehen oft vor der Herausforderung, rasch einen sicheren Betrieb des Unternehmens zu garantieren.
Wir von Risk Experts können gemeinsam mit Entscheidungsträgern Bewusstsein für die Notwendigkeit einer effizienten Risikoverwaltung schaffen. Wir begleiten Organisationen und Unternehmungen und unterstützen dabei, maßgeschneiderte operative Managementsysteme zu implementieren.
Wir beraten und trainieren jene Personen, die Schlüsselpositionen in diesem Bereich besetzen und können diese bei Ressourcenknappheit auch temporär besetzen.

Unser Ziel ist, Betriebe und Makler so zu beraten, dass sie zu jeder Zeit die besten Entscheidungen im Risikomanagement treffen können.