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Der frühe Vogel fängt den Wurm….

Mag. Erwin Weintraud | 30. September 2021 | Wirtschaft & Steuern

So ziemlich jeder kennt diesen Ausspruch – und gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist er besonders treffend. Als Vermittler werden wir häufig mit der Frage konfrontiert, wie und ab wann Kinder abgesichert werden können. Das stellt uns vor doch einige Herausforderungen, auf die wir hier ein wenig eingehen möchten.

Die Zeit vergeht schnell – vor allem wenn man in der Elternrolle ist. Die Kinder wachsen rasch heran, werden in wenigen Jahren einen Beruf ausüben und sich dank Ihrer Arbeitskraft einen hoffentlich soliden Lebensstandard aufbauen. Vielfach wird dabei übersehen, dass es dann für den Abschluss einer bezahlbaren Absicherung im Falle der Berufsunfähigkeit einfach zu spät ist. Denn bereits überstandene Vorerkrankungen, ein körperlich bzw. psychisch fordernder Beruf oder ein risikobehaftetes Hobby können den Versicherungsschutz teuer oder auch unmöglich machen.

Ist diese Sichtweise zu pessimistisch?
Zahlreiche Studien zum Thema Kindergesundheit bestätigen eine beängstigende Entwicklung. In der Studie „A Future for the World`s Children?“ - die gemeinsam von der WHO, UNICEF und dem medizinischen Fachjournal Lancet herausgegeben worden war –  wurde ein Anstieg der Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen von 11 Millionen (im Jahre 1975) auf 124 Millionen (im Jahr 2016) festgestellt. Wenig verwunderlich wird dafür Werbung für schädliche Produkte wie Tabak, Fast Food und zuckerhaltige Getränke mitverantwortlich gemacht.

Einer Studie aus Deutschland (Barmer-Arztreport 2018) zufolge führt der ansteigende Leistungsdruck in Kombination mit finanziellen Sorgen und Zukunftsängsten dazu, dass mittlerweile jeder 6. Student in Deutschland (17%) von einer psychischen Diagnose betroffen ist. Studierende galten bislang als weitgehend „gesunde“ Gruppe….

Die COVID-19-Pandemie und deren Folgen sowohl auf den Arbeitsmarkt als auch auf die Gesundheit war in dieser Studie aus dem Jahre 2018 natürlich noch nicht enthalten. Eine aktuellere Studie der Donau-Universität Krems am Anfang der Pandemie (Mai 2020) kam zum ernüchternden Ergebnis, dass einhergehend mit Ausgangsbeschränkungen die Häufigkeit sowohl bei depressiven Symptomen als auch bei Angstsymptomen signifikant anstieg.

Gesamt betrachtet also eine Entwicklung, die unsere jüngsten Kunden in Zukunft vor Probleme stellen wird, wenn es um die Absicherung ihrer Arbeitskraft geht.

Mein Kind ist gesund! Warum soll ich also trotzdem schon jetzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung für mein Kind abschließen?

Das stimmt schon, geht man einmal von einem durchschnittlichen Schulkind aus, sollte dieses jung und gesund sein. Schüler haben auch kein Arbeitseinkommen und die Wahrscheinlichkeit, bereits im Schulalter berufsunfähig zu werden, ist eher als gering anzusehen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler abzuschließen, mag deshalb im ersten Moment als nicht zielführend erscheinen. Andererseits lautet die Antwort auf die Frage, wann es am sinnvollsten ist, eine BU abzuschließen: So früh wie möglich – und das aus gutem Grunde. Je jünger und besser der Gesundheitszustand der versicherten Person bei Vertragsabschluss ist, desto geringer werden monatlichen Beiträge sein. Denn auch Jugendliche können krank werden oder einen Unfall erleiden. Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse müssen dann in Kauf genommen werden.

Zu beachten ist aber auch der Berufswunsch des Schülers. Vor allem für Jene, die nach Beendigung der Pflichtschule einen körperlich oder psychisch anstrengenden Beruf erlernen möchten. Hier könnte der rechtzeitige Abschluss noch während der Schulzeit die letzte Gelegenheit sein, eine Berufsunfähigkeits-Versicherung zu leistbaren Prämien zu erhalten. Handwerkliche Berufe befinden sich nämlich in den schlechtesten (sprich: teuersten) Berufsgruppen. Dadurch muss in diesen Fällen oft auf Varianten wie die Grundfähigkeitsversicherung rückgegriffen werden.
Betroffen davon sind aber durchaus auch Gymnasiasten, die nach der Matura ein Lehramts-, Sportstudium oder eine künstlerische Laufbahn einschlagen möchten.

Infolgedessen wäre es für uns Vermittler ratsam nicht nur die aktive Absicherung der bestehenden Arbeitskraft der Eltern – sondern auch jene der nächsten Generation – im Blick zu haben.

Schüler-Berufsunfähigkeit oder Schulunfähigkeitsversicherung?
Obwohl Schüler im klassischen Sinne noch keinen Beruf ausüben ist es trotzdem vorteilhaft, wenn die Tätigkeit „Schüler“ als Beruf in den Bedingungen klar geregelt wird. Das trifft übrigens auch für Studenten, Lehrlinge und Hausfrauen/Hausmänner zu.

Die Auswirkung in der Leistungsprüfung ist, dass ein Schüler genauso behandelt wird wie jeder andere Berufstätige auch. Es geht also um die konkrete Schülertätigkeit – also der jeweilige Schulzweig mit der entsprechenden Unterrichts-, Hausaufgaben- und Lernzeit. Somit kann ein Gymnasiast nicht auf eine Hauptschule verwiesen werden.

Ein wenig anders sieht es aus, wenn lediglich die „allgemeine“ Schulunfähigkeit laut Bedingungen versichert ist.
Hier wird also nicht die Schultätigkeit als Beruf anerkannt, sondern darauf abgestellt, dass der Schüler nicht mehr in der Lage ist am Unterricht an einer Schule ohne spezielle Förderung teilzunehmen.
In der Leistungsprüfung wird an dieser Stelle deshalb die Frage zu klären sein, ob der Schüler noch in der Lage ist eine allgemeinbildende Schule zu besuchen. Somit könnte ein Gymnasiast abstrakt innerhalb des Berufsbildes „Schüler“  auf die Hauptschule verwiesen werden. Sollte nur mehr der Besuch einer Sonderschule möglich sein, wäre die Leistungspflicht - aufgrund des Hinweises auf Schulen mit spezieller Förderung - gegeben.

Ein Argument pro Schülerunfähigkeitsversicherung ist einerseits die Tatsache, dass diese Versicherung schon in jüngeren Jahren abgeschlossen werden kann – also in einem Alter, wo selten Freizeitrisiken oder Vorerkrankungen schlagend werden. Andererseits wird der versicherten Person auch eine Option in Aussicht gestellt ohne Gesundheitsfragen in eine Berufsunfähigkeitsversicherung wechseln zu können.
Was ist nun bei dieser Option zu beachten?

Die BU-Umstellungsoption:
Nach Beendigung der schulischen Ausbildung stellt sich nun die Frage, wie man in den Genuß einer vollwertigen Berufsunfähigkeitsversicherung gelangt.
Hier kommt die sogenannte BU-Umstellungsoption ins Spiel. Je nach Bedingungslage muss der Kunde (ehemaliger Schüler) selbst aktiv werden bei der erstmaligen Aufnahme einer Berufsausbildung, eines Studiums oder einer beruflichen Tätigkeit. Es kommt dann zu einer neuen Risikoeinstufung aufgrund der gewählten Studienrichtung oder ausgeübten Tätigkeit – und genau dies, ist der entscheidende Nachteil der Schulunfähigkeitsversicherung.

Eine gute Absicherung für Schüler darf keine Pflicht zur Nachmeldung einer beruflichen Veränderung enthalten. Nur so ist garantiert, dass der Beitrag nach einem Berufswechsel (also auch vom Beruf „Schüler“ in Richtung Beginn der ersten beruflichen Ausbildung oder auch Tätigkeit) unverändert bleibt.
Andernfalls kann nicht abgeschätzt werden, wie sich die Berufswahl des Schülers und dessen Freizeitverhalten auf die zukünftige Prämienhöhe auswirkt.

Was passiert bei Nichtanzeige?
Normalerweise führt die Umstellung des Vertrages auch zu einer höheren Prämie. Bei Nichtanzeige und Eintritt des Versicherungsfalles verringert sich dann die Versicherungsleistung im Verhältnis des bisherigen Beitrags zum erforderlichen Beitrag nach Umstellung des Versicherungsvertrages.
Es ist auch üblich, dass nach Vollendung des z.B. 22. Lebensjahres (und Nichtmeldung der ausgeübten Tätigkeit bzw. Studienrichtung) es zu einer Umstellung auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung kommt.

Nachversicherungsgarantie:

Aus all diesen Nachteilen ergibt sich, dass eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung die bessere Wahl ist – vor allem, wenn sie eine gute Nachversicherungsgarantie enthält.

Die Höhe der Rente ist in der Regel für Schüler begrenzt und somit nicht für das gesamte Berufsleben ausreichend.
Es ist deshalb erforderlich, in späteren Jahren die Rentenhöhe an den tatsächlichen Bedarf anpassen zu können.
Der Verzicht auf eine erneute Gesundheitsprüfung ist hier zu begrüßen – aber oft nicht ausreichend.
Ein Berufswechsel oder ein inzwischen begonnenes, risikoreicheres Hobby würden hier trotz Verzicht auf Überprüfung der Gesundheit die Anpassung verteuern oder sogar unmöglich machen.

Warum reicht eine Beitragsdynamik nicht aus?
Eine Beitragsdynamik ermöglicht eine kontinuierliche Erhöhung mit dem Ziel des Inflationsausgleiches. Damit kann aber ein akut steigender Absicherungsbedarf nicht gedeckt werden.
Nachversicherungsgarantien ermöglichen eine Anpassung des Versicherungsschutzes an die individuelle Lebenssituation der versicherten Person. Zu beachten ist jedoch, dass bei den meisten Tarifen diese Erhöhungsmöglichkeit an gewisse Ereignisse geknüpft ist. Die wären z.B:

■ Gründung eines eigenen Haushalts
■ Geburt eines Kindes
■ Hausbau
■ Wechsel in die Selbständigkeit usw.

Ein genauer Blick in die Bedingungen schafft hier Klarheit! Je mehr Anlässe in den Bedingungen verankert sind – desto besser. Allerdings sollte man hier auch auf die Fristen für die Einmeldung des jeweiligen Ereignisses achten.
12 Monate sind fair – eine Begrenzung auf z.B. 3 Monate nach Eintritt des jeweiligen Ereignisses könnte zu knapp sein. Hat es einen Sinn in einem solchen Fall einen zweiten Vertrag abzuschließen?
Wenn im bestehenden Vertrag keine ausreichende Erhöhung aufgrund einer Nachversicherungsgarantie möglich oder eine Frist verstrichen ist, wird diese Vorgehensweise wohl zweckmäßig sein. Im Rahmen eines zweiten Vertrages könnte dann auch die Versicherungsdauer besser auf die neue Risikosituation abgestimmt werden.
Beispiele dafür wären die Anpassung der Laufzeit auf die Kreditlaufzeit oder aber auch bei der Geburt eines Kindes. Gerade hier fallen vermutlich nur innerhalb der nächsten 20-25 Jahre höhere finanzielle Belastungen an.

Allerdings müssen dann wieder Fragen zu Vorerkrankungen, zum aktuellen Beruf und zum Freizeitverhalten beantwortet werden – mit all den bereits besprochenen Konsequenzen:
■ Beitragsermittlung aufgrund inzwischen höheren Alters der versicherten Person
■ Neue Freizeitrisiken können zu Risikozuschlägen oder Antragsablehnung führen
■ Schlechtere Berufsgruppeneinstufung aufgrund risikoreicheren Berufes

Aus diesem Grunde wäre es wünschenswert, wenn auch im Rahmen der Nachversicherung eine kürzere Versicherungsdauer gewählt werden könnte. Das wäre preiswerter und auch risikoadäquater.
Das Marktangebot in Bezug auf Absicherung von Schülern ist in Österreich überschaubar. Nur der genaue Blick in die Bedingungen ermöglicht die Erkennung des wahren Wertes der angebotenen Deckungen.
Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass es möglich ist, gute Deckungskonzepte für unsere Jüngsten zu verwirklichen. Die Qualität bei den in Österreich angebotenen Berufsunfähigkeitsversicherungen hat sich ja in den letzten 10 Jahren stark verbessert. Es besteht also durchaus die Hoffnung, dass sich dieser Qualitätsanspruch auch in den Bereich der Schüler, Lehrlings- und auch Studentenversicherung durchsetzt.

In der nächsten Ausgabe unserer Biometrie-Ecke wird es um die Absicherung junger Menschen gehen. Auch werden wir uns der Frage nach preiswerten Alternativen zur Berufsunfähigkeit widmen.