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was ist das ...

ÖVM | 20. Jänner 2020 | Wirtschaft & Steuern

Leasing

was ist das ...
Mit dieser Serie/Rubrik wollen wir dem interessierten Leser Begriffe aus der Finanzwirtschaft näher ­bringen, um für etwaige Kundenfragen gewappnet zu sein. Frei nach dem Motto: „Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean.Sir Isaac Newton

Leasing
§ 138 Abs. 3 GewO

Versicherungsvermittler sind auch zur Vermittlung von Bausparverträgen und von Leasingverträgen über bewegliche Sachen berechtigt.

Leasing als Chance für den Versicherungsmakler
Die Maklerschaft steht einerseits aufgrund der geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen ertragsseitig stark unter Druck. Andererseits weiß man aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Kundenanalyse bestens über das Geldleben seiner Klienten Bescheid. Darüber hinaus besteht thematisch eine enge Verbindung zwischen der Versicherungs- und der Leasingvermittlung. Was liegt da nun näher, als dieses Wissen gewinnbringend zu nutzen und die eigene Dienstleistungspalette, um den Baustein der Leasingvermittlung zu erweitern?

Abhängig von den vorhandenen zeitlichen, personellen und fachlichen Ressourcen könnte diese Cross-Selling-Strategie auf zweierlei Arten umgesetzt werden:

1) selbständiger Marktauftritt
2) Abschluss eines Kooperationsvertrages mit einer Leasingvergleichsplattform

Begriff des Leasings
Ganz allgemein betrachtet, stellt Leasing ein Mittelding zwischen Bestands- und Kaufvertrag dar. Der Leasingnehmer erhält vom Leasinggeber ein Leasingobjekt gegen Entgelt für eine zeitlich begrenzte Nutzungsdauer. Der Leasingnehmer kann den Gegenstand nutzen, wird aber nicht, oder zumindest nicht sofort, Eigentümer. Eigentümer bleibt bis auf weiteres der Leasinggeber.

Gegenstand des Leasingvertrages
Je nachdem, ob eine bewegliche oder unbewegliche Sache Gegenstand von Leasing ist, spricht man von Mobilien- oder Immobilienleasing.

Gegenstände eines Leasingvertrages sind Mobilien (Maschinen, Geräte, Kraftfahrzeuge etc.) oder Immobilien (Baulichkeiten auf Eigen- oder Fremdgrund).

Das Immobilienleasing hat die entgeltliche Nutzung von bebauten Liegenschaften zum Ziel. Es geht über die Miete vorhandener Objekte hinaus und umfasst die Beschaffung der Liegenschaft, die Errichtung von Bauten nach den Wünschen des Leasingnehmers, die Finanzierung, die Nutzung der bebauten Liegenschaft und die Verwertung nach Ablauf der Vertragsdauer.

Leasingfähigkeit
Wesentlich für die Leasingfähigkeit eines Gegenstandes ist, dass der Leasinggeber eine alternative Verwendungs- oder Verwertungsmöglichkeit hat und Eigentum erworben werden kann. Daher können in der Regel Straßen, Brücken oder auch Anfertigungen, die ausschließlich dem speziellen Bedarf eines Kunden dienen mangels wirtschaftlich sinnvoller Verwertbarkeit für einen Dritten, nicht geleast werden.

Leasinggegenstände sind darüber hinaus dann leasingfähig, wenn die „Umsatzsteuerkette“ nicht unterbrochen wurde. Der Vorbesitzer des Fahrzeuges muss ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen sein.

Leasingmodelle
Leasingverträge lassen sich grob in drei große Gruppen einteilen:
■   Finanzierungsleasing (Voll- und Teilamortisation)
■   Operatingleasing
■   Sale-and-lease-back-Verträge

Beim Finanzierungsleasing werden alle wesentlichen, mit dem zivilrechtlichen Eigentum am Vermögensgegenstand verbundenen Objektrisiken und Ertragschancen auf den Leasingnehmer übertragen. Ein Übergang des zivilrechtlichen Eigentums am Ende der Laufzeit kann ebenfalls vereinbart werden. Grundsätzlich unterscheidet man Vollamortisationsverträge, bei denen sich beinahe die gesamten Investitionskosten des Leasinggebers während der Laufzeit amortisieren, von Teilamortisationsverträgen, bei denen der Leasinggeber während der vereinbarten Laufzeit die Investitionskosten nur teilweise zurückerstattet bekommt. Der verbleibende Restwert ist folglich bei Teilamortisationsverträgen deutlich höher.

Beim Operatingleasing trägt der Leasinggeber sowohl das Investitions- als auch das Finanzierungs- und Verwertungsrisiko. Es handelt sich somit um ein typisches Mietverhältnis.

Eine Sonderform der Leasingverträge stellen Sale-and-lease-back-Verträge dar. Der bisherige Eigentümer eines Objektes verkauft dieses an eine Leasinggesellschaft, die dieses Objekt dann mit oder ohne Adaptierung wieder an den Verkäufer verleast. Diese Form des Leasings dient vorwiegend  der Realisierung stiller Reserven (= Differenz zwischen Buchwert und Verkehrswert).

Eigenleistung
Bei den Eigenleistungen kann zwischen einer Anzahlung (= Leasingentgeltvorauszahlung), einem abnehmenden Depot und einer Kaution (= fixes Depot) unterschieden werden. Gemeinsam ist allen drei Varianten, dass sie die monatliche Leasingrate reduzieren. Die Anzahlung wird vom Kaufpreis in Abzug gebracht. Das abnehmende Depot wird durch die Laufzeit dividiert und monatlich dem Leasingentgelt angerechnet. Am Ende der Laufzeit ist das variable Depot zur Gänze verbraucht. Die Kaution wird in der Regel verzinst und bleibt bis zum Ende der Laufzeit unverändert. Lediglich die Zinsen werden von der monatlichen Leasingrate abgezogen. Am Ende erfolgt eine Aufrechnung mit dem Restwert.

Rechte am Ende der Laufzeit
Besteht eine vertragliche Ankaufsoption für den Leasingnehmer, kann dieser am Ende der Leasingvertragsdauer und Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen aus dem Vertrag das Objekt zum vereinbarten Restwert kaufen. Der Leasinggeber muss das Leasingobjekt in diesem Fall verkaufen.

Wurde ein Andienungsrecht für den Leasinggeber vereinbart, kann dieser verlangen, dass der Leasingnehmer das Leasingobjekt zum vertraglichen Restwert ankauft. In diesem Fall muss der Leasingnehmer das Leasingobjekt kaufen.

Steuerliche Würdigung
Lange Zeit wurde Leasingverträgen aus rein steuerlichen Überlegungen der Vorzug gegenüber kreditfinanzierten Käufen gegeben. Darauf hat die Finanz reagiert und setzt nun bei der steuerlichen Betrachtung am wirtschaftlichen Eigentum an. Ist ein Leasingvertrag derart gestaltet, dass eigentlich ein versteckter Kauf vorliegt, so behandelt die Finanz den Leasingvertrag auch in diesem Sinne. Der Leasingnehmer wird steuerlich zum (wirtschaftlichen) Eigentümer und muss dann das Wirtschaftsgut bei sich aktivieren. Ist ein Leasingvertrag jedoch so konzipiert, dass er einer Miete gleichkommt, dann ist der Leasinggegenstand bei der Leasingfirma (zivilrechtlicher Eigentümer) zu aktivieren und der Leasingnehmer kann die monatlichen Raten gänzlich als Betriebsausgaben absetzen.

Conclusio
Leasinggeschäft verspricht überdurchschnittliche Ertragschancen bei überschaubarem Arbeitseinsatz. Aus wirtschaftlichen Überlegungen sollte die Maklerschaft diese Möglichkeit zum Cross-Selling unbedingt nutzen. Der Bedarf beim Kunden muss nicht erst mühsam geweckt werden, da das Geldleben des Kunden aus der Risikoanalyse weitestgehend bekannt ist. Um zukünftig Provisionen aus der Vermittlung von Leasingverträgen generieren zu können, genügt es, das Leasingthema einfach in die standardisierte Beratung mitaufzunehmen. Auch wenn die persönlichen, zeitlichen und/oder fachlichen Ressourcen nicht ausreichen, um selbst als Leasingvermittler am Markt präsent zu sein, sollte wenigstens ein weitestgehend arbeitsfreies Zusatzeinkommen über die Tippgeberschiene lukriert werden.