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Sterbehilfe (Euthanasie)

Mag. Alexander Meixner | 20. Jänner 2020 | Recht

Sterbehilfe (Euthanasie)

Urteil im Oktober 2019

Eine Frau hat mit ihrem Lebensgefährten gegenseitige Sterbehilfe vereinbart. Als der Mann im Vorjahr todkrank wurde, zog die Frau im AKH den Beatmungsschlauch. Nun ist sie wegen Mordes nicht rechtskräftig schuldig gesprochen worden. Unter Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechts erhielt die bisher unbescholtene Frau drei Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt. Die Geschworenen hatten nach überraschend kurzer Beratungszeit die Hauptfrage nach Mord mit 7 zu 1 Stimmen bejaht. Der Version der Angeklagten, die sich mit Tötung auf Verlangen (§ 77 StGB) verantwortet hatte, schenkten sie mehrheitlich keinen Glauben.

Sterbehilfe ist nicht erst seit des jüngst ergangenen Urteils ein viel diskutiertes Thema. Es gibt eine Vielzahl an Befürwortern, aber auch an entschiedenen Gegnern, allen voran die katholische Kirche.

Der Begriff Sterbehilfe umfasst sämtliche Handlungen, die von der Hilfe und Unterstützung im Sterben, bis hin zur aktiven Tötung sterbender oder schwerstkranker Menschen reichen. Generell unterscheidet man zwischen aktiver, indirekter und passiver Sterbehilfe, sowie Beihilfe zum Suizid.

Aktive Sterbehilfe:
Unter aktiver Sterbehilfe versteht man das Beenden des Lebens eines anderen Menschen, etwa durch eine Überdosis Medikamente. Das Abschalten einer lebenserhaltenden Maschine fällt allerdings nicht unter die aktive Sterbehilfe, da eine Versorgungsmaßnahme nur unterlassen wird. Die aktive Sterbehilfe ist in Österreich in jeglicher Form verboten, selbst wenn eine Willenserklärung der betreffenden Person vorliegt.

Indirekte Sterbehilfe:
Bei der indirekten Sterbehilfe wird die Beschleunigung des Todeseintritts als Nebenwirkung durch die Verabreichung schmerzlindernder Medikamente in Kauf genommen. Dies ist beispielsweise in Krankenhäusern der Fall, wenn einer Krebskranken/einem Krebskranken Morphium zur Schmerzlinderung verabreicht wird. Man spricht im medizinischen Bereich auch von einer palliativen Behandlung. Die indirekte Sterbehilfe ist in Österreich erlaubt.

Passive Sterbehilfe: Unter passiver Sterbehilfe versteht man das Unterlassen von lebensverlängernden Maßnahmen. Darunter fällt unter anderem das Abschalten eines Beatmungsgeräts. Die passive Sterbehilfe ist komplett legal und kann bereits in einer Patientenverfügung festgehalten werden. Sollte keine Patientenverfügung vorhanden sein, so obliegt es den Angehörigen oder etwaigen anderen befugten Personen, über die lebenserhaltenden Maßnahmen zu entscheiden.

Beihilfe zum Suizid:
Unter Beihilfe zum Suizid versteht man die Selbsttötung mit Hilfe einer Person, die ein Mittel dazu bereitstellt. Das Mittel muss aber von der erkrankten Person selbst eingenommen werden, da ansonsten eine aktive Sterbehilfe vorliegt. Die Beihilfe zum Suizid ist in Österreich gesetzlich verboten.   Blick über die Grenzen – ein Auszug: Belgien, die Niederlande und Luxemburg erlauben aktive Sterbehilfe. In der Schweiz ist die aktive Sterbehilfe zwar verboten, allerdings gibt es Vereine, die in der Freitodbegleitung aktiv sind. Die Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar.