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Die Firma übergeben - und dann?

Wolfgang Willim | 13. Juni 2019 | Wirtschaft & Steuern

Die Firma übergeben - und dann?

Ganz besonders die Tätigkeit in der Versicherungsvermittlung als Versicherungsmakler geht weit über eine sachliche Erfüllung von Aufgaben hinaus. Im Laufe der Jahre werden Kunden zu Freunden, unzählige Schicksale bekommt man aktiv mit und durchlebt gemeinsam Freud und Leid. Die Tätigkeit und Verantwortung sind oft nicht mit der Öffnungszeit des Büros beendet, ganz im Gegenteil, oftmals wird man darüber hinaus zu unterschiedlichsten Themen und Schadensfällen angesprochen.

Auch das eigene Team ist über Jahre gewachsen und viele Hoch und Tiefs konnten gemeinsam überwunden und gemeistert werden.

… und jetzt soll man dies alles aufgeben? Wie soll das funktionieren?

Einmal Unternehmer – immer Unternehmer. Die meisten Versicherungsmakler finden es schwierig, in den Ruhestand zu gehen. Bislang war der Betrieb die Lebensaufgabe. Für Familie und Hobbies blieb meist zu wenig Zeit. Umso wichtiger ist es, die Lücke, die durch den Ruhestand entsteht, mit spannenden neuen Aufgaben zu füllen.

Der frühzeitige – in letzter Zeit leider vermehrt durch gesundheitliche Themen – oder zumindest altersgemäß rechtzeitige Ausstieg fällt vielen Unternehmern schwer, obwohl sie eigentlich viel mehr Möglichkeiten zur freiwilligen Gestaltung seines Ausstiegs haben als die meisten angestellten Manager. Oft ist es dem Unternehmer durch die Beschäftigung rund um die Uhr unmöglich oder zumindest sehr schwierig neben der beruflichen Tätigkeit entsprechende Interessen oder Hobbies zu betreiben. 

Welche Möglichkeiten oder Aktivitäten können hilfreich sein?

Nachstehend finden Sie – ohne einer entsprechenden Bewertung Möglichkeiten einige Beispiele der Betätigung nach dem Unternehmensverkauf

Den Ruhestand genießen

Die offensichtlichste Alternative für die meisten ist der Ruhestand. Endlich haben Sie Zeit für Familie und Freunde. Aber Vorsicht! Ihr Partner, Ihre Kinder und Freunde führen auch ein eigenes Leben. Wenn Sie plötzlich beginnen, Ihre frei gewordenen Zeitkapazitäten auf Ihr privates Umfeld zu übertragen, treiben Sie ihnen nahestehende Personen schnell in den Wahnsinn. Viele Unternehmer berichten, dass Sie ein bis zwei Jahre nach Beginn des Ruhestands bereuen, ihr Geschäft verkauft zu haben.

Begegnen Sie diesem Risiko, indem Sie sich ein neues Projekt oder Hobby suchen – etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, wozu Ihnen jedoch bislang die Zeit gefehlt hat. Da gibt es zumeist viele Themen und es lohnt sich danach zu suchen!

Persönliche Fortbildung und Studium Eine interessante Möglichkeit der Beschäftigung nach der eigentlichen Karriere ist die Weiterbildung in solchen Bereichen, für die man sich vielleicht schon immer interessiert, für die aber immer die Zeit gefehlt hat. Grundsätzlich kommt für die Weiterbildung natürlich das gesamte Spektrum der angebotenen Fächer in Betracht. Es gibt sogar mit etlichen Möglichkeiten zum Seniorenstudium an den Universitäten spezielle Angebote für Menschen ab 50.

Die wissenschaftliche Weiterbildung für älter werdende und ältere Menschen wird für die Hochschulen in Zukunft eine Aufgabe von wachsender Bedeutung werden. Der Anteil der über 60-jährigen steigt bei der absehbaren demografischen Entwicklung von gegenwärtig etwa 25% in den nächsten Jahrzehnten auf fast 40%. Dies trifft natürlich auch auf die Teilgruppe der Unternehmer und Führungskräfte zu. Da die Möglichkeit der persönlichen Weiterbildung durch ein Studium eine attraktive Möglichkeit zur Selbstverwirklichung darstellt, könnte sich die künftige Studentenschaft aus Erwachsenen aller Altersgruppen zusammensetzen und nicht nur aus dem Kreis der 20- bis 30-jährigen, wie es heute der Fall ist.

Aufbau neuer Unternehmen

Für einen ehemaligen Unternehmer ist es nicht ungewöhnlich, dass er im Laufe seiner Unternehmertätigkeit Ideen für neue Geschäftsaktivitäten entwickelt. Nach dem Rückzug aus dem bisherigen Unternehmen bietet sich die Möglichkeit, diese Ideen umzusetzen. Wenn dies in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit einem jüngeren Unternehmer oder einem Managementteam erfolgt, so kann die Arbeitslast beim Aufbau eines Unternehmens von Anfang an verteilt werden, und auch in der operativen Tätigkeit kann der Einsatz je nach persönlichen Vorlieben begrenzt werden. Eine oft gewählte Tätigkeit für die Beschäftigung nach der Abgabe des eigenen Unternehmens ist diejenige als Berater. Dies bietet die Möglichkeit, auch ohne die hohe zeitliche Belastung und die Verantwortung als Unternehmer weiter berufstätig zu sein und die gesammelte Erfahrung zu nutzen. Beratungsprojekte haben in der Regel nur eine zeitlich begrenzte Laufzeit mit weniger als sechs Monaten, so dass der eigene Einsatz durch Annahme oder Ablehnung von Aufträgen „dosiert“ werden kann.

Ehrenamtliche Tätigkeit in Vereinen

Mit seiner Erfahrung kann der ehemalige Manager oder Unternehmer gerade auch in Vereinen helfen. Oft fehlt in diesen Organisationen, die zumeist emotional und mit viel Engagement betrieben werden, Unternehmer mit den entsprechenden Erfahrungen. Um derartige Projekte erfolgreich voranzutreiben, ist ein längerfristiges Engagement erforderlich. Außerdem sollte der Betreffende eine Neigung zur Bildungstätigkeit mitbringen. Die richtige Organisation und Führung der Vereine sind zwar an sich schon sinnvolle Ziele, doch noch besser ist es, wenn der Verein durch das Engagement des ehemaligen Unternehmers in die Lage versetzt wird, dies später auch allein und ohne externe Unterstützung durchzuführen.

Funktionen in der Politik

Einen wichtigen Beitrag kann ein ehemaliger Unternehmer auch bei politischen Weichenstellungen leisten. Bei den schwierigen Entscheidungen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich wäre mehr „praktische“ Erfahrung in diesem Umfeld sicher wünschenswert. Auch bei Beschäftigungsfragen kann ein Unternehmer, der selber Mitarbeiter eingestellt, geführt und gelegentlich wieder entlassen hat, eher in der Lage sein, zu beurteilen, welche Rahmenbedingungen beschäftigungsfördernd wirken und welche Probleme einen Unternehmer hiervon eher abhalten. Für einen Unternehmer, der sein Unternehmen z.B. im Zuge der Unternehmensnachfolge übergeben oder verkauft hat, besteht grundsätzlich eher die Möglichkeit und auch die Unabhängigkeit, die nötig sind, damit man sich einer politischen Tätigkeit widmen kann. Gleichzeitig entfällt die Notwendigkeit, sich für die weitere eigene Karriere zu profilieren.

Fazit: Je eher, desto besser

Grundsätzlich gibt es offenbar eine Reihe von Möglichkeiten, um die gesammelten Erfahrungen produktiv einzusetzen. Dem Aspekt der Tätigkeiten und Aktivitäten nach der Unternehmensübergabe sollte im Rahmen eines Nachfolgeprojektes immer ein entsprechend hoher Stellenwert eingeräumt werden. Viele Wege führen nach Rom! Überlegen Sie sich den für Sie passenden! Enkelkinder, Familie, Hobbies, Studium, Projekte und vieles mehr ist denkbar. Wichtig ist, dass Ihr Leben wertvoll bleibt.

… weil ICH noch viel vorhab!